Stadtgeschichte (Überblick)

Aus Historischer-Verein-Zell

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Diese Eckdaten der Stadtgeschichte

wurden vom Historischen Verein Zell zusammengestellt (Verfasser: Bertram Sandfuchs). Eine eingänglichere Beschäftigung mit dem Thema kann die auf der Seite Allgemeines publizierte Bibliografie ermöglichen.

Stadtwappen Storchenturm Südseite, bis 1879 am Untertor
vergrößern
Stadtwappen Storchenturm Südseite, bis 1879 am Untertor

Zell als Rodungssiedlung

Zell am Harmersbach wurde als Rodungssiedlung (Kurie) des Klosters Gengenbach gegründet. Die dörfliche Siedlung bestand aus Kirche, Klosterhof und Bauernhäusern und befand sich an erhöhter Stelle - etwa bei der heutigen katholischen Stadtkirche.

1139 Ersterwähnung als Cella (= Wohnort eines Mönches) in einer Urkunde von Papst Innozenz II.
1206 Eine Kirche in Zella bezeugt.
1220 Ein „plebanus“ (Pfarrer) von Zell erwähnt. Bergbau und Hüttenbetrieb in den Tälern sind bereits vor 1230 schriftlich überliefert.
1218 Als bambergisches Lehen der Herzöge von Zähringen kam Zell 1218 an Kaiser Friedrich II. — Konradin verkaufte es vor seinem Aufbruch nach Italien an die Geroldsecker. Doch bald darauf war es in der Hand des Bischofs von Straßburg, bis Kaiser Rudolf von Habsburg es als Reichsgut wieder einzog.

1287 „villa“ Zell.,d.h.(noch) bäuerliche Siedlung. 1297 Der Klosterhof istGegenstand einer Urkunde.

Zell als Reichsstadt

Bild:BestesGesamtfotoZellWEBGROss 018.jpg
Mittelalterlicher Gründungsgrundriss heute noch erkennbar: breite Hauptstraße, gitterförmiges Straßennetz, zwei (der ursprünglich fünf) Türme, ovaler Mauerring
Ehemaliges Untertor (abgebrochen 1879): wehrhafter Zugang von Westen
vergrößern
Ehemaliges Untertor (abgebrochen 1879): wehrhafter Zugang von Westen
Um 1325 erfolgte die vom Kloster Gengenbach aus betriebene Stadtgründung.
1330 Stadtbrief: Kaiser Ludwig erließ für vier Jahre dem Rat und den Bürgern von Zell die Reichssteuer, damit diese die Stadt bauen konnten. Die mittelalterliche Gründungsstadt wurde planmäßig am Harmersbach — kurz vor der Einmündung der Nordrach — mit gitterförmigem Straßennetz und breiter Hauptstraße angelegt. Sie wurde mit einem ovalen doppelten Mauerring und fünf Türmen bewehrt: mit drei Tortürmen, einem Flankierungsturm (Hirschturm) und einem Wartturm (Storchenturm).
1362 Beendigung des Baus der Stadtmauer.
1334 — 1365 Verpfändung der Stadt an die Brüder von Öttingen, den Markgrafen von Baden und an den Bischof von Straßburg.
25.3.1366 Stadtbrjef Kaiser Karis IV:. Des Heiligen Römischen Reiches Stadt Zell am Harmersbach‘. Zur wirtschaftlichen und politischen Stärkung der Stadt wurden die Landstäbe Nordrach, Biberach, Ober- und Unterentersbach zugeordnet.

Zell erfüllte die Funktion eines zentralen Marktortes für die nähere Umgebung (Wochenmarkt, vier Jahrmärkte). Die Bürger waren Bauern (sog. Ackerbürger) und Handwerker. Letztere schlossen sich bald zu Zünften zusammen. Die ältesten Handwerkszünfte waren die der Leineweber, Schuhmacher und Schneider.

Die Bürgerwehr und die zur Reichstruppe gehörigen Kontingentsoldaten schützten die Stadt vor innerer und äußerer Gefahr. Auch die Gerichtsbarkeit lag in den Händen der Stadt, einschließlich der Blutgerichtsbarkeit (Zeller Galgen). An der Spitze der Verwaltung der Stadt standen der Reichsschultheiß und der „ehrsame“ Rat (Zwölferrat).

Bild:WallfahrtskircheLanghaus, Chor und Turm 081.jpg Bild:WallfahrtskircheTurmHimmel_062.jpg
Zur Förderung der Wallfahrt von Abt Jacobus 1480 gebaut: Das Langhaus und der himmelwärts weisende Turm
Holzschnitt Wallfahrtsbild "Maria zu den Ketten". Das 1742 angefügte Querschiff bildete bis 1910 Schauseite und Eingang der Wallfahrtskapelle
vergrößern
Holzschnitt Wallfahrtsbild "Maria zu den Ketten". Das 1742 angefügte Querschiff bildete bis 1910 Schauseite und Eingang der Wallfahrtskapelle
1480 Bau von Turm und Chor der Wallfahrtskirche „Maria zu den Ketten‘ durch den Gengenbacher Abt Jacobus de Bern.
1504 Kaiser Maximilian überließ der Stadt Zell den Straßen- und Wasserzoll zu Biberach.
1543 Die „große erschröckliche Brunst‘ des Stadtbrands vernichtete die Archivalien von Zell.
1545 Karl V. bestätigte die Freiheiten, Rechte und Zölle. Zell war die kleinste der Reichsstädte und nahm im Reichstag auf der Schwäbischen Bank den 33. Platz ein.

Das Haus Habsburg versuchte, die kleine Reichsstadt zu einer österreichischen Landstadt herabzudrücken.

1575 Zusammenschluss der „Vereinsstädte‘ Offenburg, Gengenbach und Zell mit dem Ziel, die Reichsfreiheit zu bewahren. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten schwedische Truppen die Stadt.
1643 verbrannten die Franzosen die Stadtkirche und umliegende Gebäude.
1598—1680 Zahlreiche unschuldige Opfer durch Hexenprozesse.
1662—1670 Das Tal Nordrach versuchte von 1662 an, sich als Reichstal von Zell unabhängig zu erklären. Trotz der über ihre Flößerei verhängten Sperre, des Boykotts ihrer Erzeugnisse und des gegen sie gefällten Urteils gaben die Nordracher erst 1670 nach. Doch hatten die Landstäbe ab 1764 als „neuer Rat“ in Fragen der Ökonomie und der Polizeiordnung mitzureden.
1718 Nach langwierigen Auseinandersetzungen mit Zell wurde das Tal Harmersbach reichsunmittelbar.
1760 Bau der „Alten Kanzlei“ durch Baumeister A. Renn.
1791 Neubau der Stadtkirche St. Symphorian im Louis-Seize-Stil.

Die Kriege des 17/18. Jahrhunderts verhinderten, dass Zell eine wirtschaftlich starke Stellung erlangen konnte.

1803 Ende der Reichsstadtzeit. Verlust der Reichsunmittelbarkeit. Napoleon schlug Zell dem Kurfürstentum Baden und 1806 dem Großherzogtum Baden zu.

Zell als badische Stadt

Die Zeit als badische Stadt ist gekennzeichnet durch eine allmähliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

1837 Der in Zell geborene Ritter von Buß (bedeutendste historische Persönlichkeit) hielt als Abgeordneter des Badischen Landtags die sogenannte Fabrikrede: Er setzte sich darin für die Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiter ein.
1900 Jhd Im 1900 Jahrhundert wurde im Zuge der Industrialisierung in Zell eine ganze Anzahl kleiner Fabriken und Gewerbebetriebe gegründet; u.a. Pottaschesiederei Scböttgen (um 1850), eine Schwerspatmühle (1857), keramische Fabrik (bereits 1794), Granatschleifereien, Sägewerke und Forstbaumschulen Burger (1874).
1899 und 1904 verursachten Stadtbrände starke Zerstörungen.
Bild:Großbrand_Zeller_Unterstadt_Webklein.jpg Bild:Unterstadt_2007Webklein.jpg
Großbrand in der Zeller Unterstadt am 21. Juli 1904 und Zustand heute

Zell im 20. Jahrhundert

1900 und 1905 begann der Wiederaufbau der Stadt (u.a. Jugendstilhäuser).
1935 und 1949 Nachdem bereits im 10. Jahrhundert Zell nur noch als Stadtgemeinde bezeichnet worden war und ab 1935 sogar als Gemeinde, wurden 1949 durch Staatspräsident Wohleb die Stadtrechte erneut verliehen.
1974/1975 Aufgrund der Gemeindereform in Baden-Württemberg bilden Zell am Harmersbach, Unterharmersbach, Ober- und Unterentersbach die neue Stadt Zell am Harmersbach.

Die Kernstadt hat sich wirtschaftlich sehr stark entwickelt. Die Firma Prototyp als größter Arbeitgeber und Hersteller von Qualitätswerkzeugen sowie zahlreiche mittelständische Betriebe (Metall- und Holzverarbeitung, Arzneimittel, Keramik}, bilden mit dem leistungsstarken Einzel- und Fachhandel das wirtschaftliche Standbein unserer Stadt.

Persönliche Werkzeuge
Historischer Verein Zell a.H.
Navigation